Tobias van Aggelen (SG Neuss)

Corona machte JEM-Teilnahme 2022 zunichte

Fotos/Berich: Peter Kuhne

 

Die Corona-Pandemie hat seit ihrem Ausbruch viele Spuren auch im Schwimmsport hinterlassen. Wettkämpfe und Meisterschaften fielen aus, Bäder wurden geschlossen und somit wurden Trainingsmöglichkeiten eingefroren bzw. stark eingeschränkt. Viele Sportler*innen waren hiervon persönlich betroffen. Von einem, der unter seiner eigenen Coronainfektion besonders gelitten hat, ist in diesem Sportlerportrait die Rede. Es handelt sich um Tobias van Aggelen von der SG Neuss. Der 18-Jährige hatte sich für die Jugend-Europameisterschaften (JEM) vom 5. bis 10. Juli in Bukarest (Rumänien) qualifiziert. Beim letzten Test unmittelbar vor dem Abflug des deutschen Teams in die rumänische Hauptstadt wurde er positiv getestet. Der anschließende PCR-Test bestätigte dieses Ergebnis. Da sein CT-Wert auch anschließend immer noch zu hoch war, durfte er auch nicht nachreisen. Für Tobias war somit der JEM-Traum geplatzt, bevor er begonnen hatte. „Ich weiß nicht genau wo ich mich infiziert habe. Ich vermute bei den Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Berlin oder vielleicht auch als bei uns im Dorf Schützenfest war“, erzählt Tobias. „Mental war das ein totales Tief für mich. Ich war der einzige aus der Mannschaft, der nicht mitfahren durfte. Meine Mannschaftskameraden waren auch sehr enttäuscht, dass ich nicht dabei sein konnte. Für die war es ja auch blöd, da ich ja für die Staffel nominiert war. Die Wettkämpfe in Bukarest habe ich, wann immer es möglich war im Live-Stream angeguckt. Ich habe gleichzeitig weiter in Neuss trainiert. Da war die Motivation aber natürlich nicht so hoch, wie sie hätte sein können. Ich dachte, oft, dass ich statt in Neuss jetzt in Rumänien schwimmen und vielleicht dort sogar ein Finale erreichen könnte. Inzwischen bin ich aber darüber hinweg. Jetzt liegt der Fokus auf der Zukunft“, sagt Tobias, der meistens nur Toby genannt wird. Was für ihn von der JEM blieb war die Einkleidung, die vor seinem positiven Test stattfand und die er behalten durfte. „Das einzige, was ich nicht bekommen habe, war die Badekappe, die ich gerne gehabt hätte und die beiden grauen T-Shirts. Die wurden erst vor Ort in Bukarest verteilt.

Tobias van Aggelen hat am 10. Februar Geburtstag. Dieses Geburtsdatum teilt er sich mit einem weltberühmten Schwimmer. Der Amerikaner Mark Spitz, der bei den Olympischen Spielen 1972 in München sieben Goldmedaillen gewann, ist ebenfalls am 10. Februar geboren. Der US-Boy allerdings schon im Jahr 1950, Toby, der in Neuss das Licht der Welt erblickte, hingegen 2004. Tobias wohnt in Bütten, ein Ort mit ca. 6.500 Einwohnern vor den Toren von Neuss. Wohl bekanntester Sohn von Büttgen ist der frühere Fußball-Nationalspieler und Bundestrainer Berti Vogts. Ein bestimmtes Lebensmotto hat Toby nicht. „Wenn es um Training geht, nehme ich mir vor, einfach nur machen“, so Tobias. Einen bestimmten Glücksbringer hat er nicht. „Ich habe von meiner Oma eine Kette geschenkt bekommen, die ich immer trage. Ich will aber nicht sagen, dass sie mir Glück bringt. Im Wasser ziehe ich sie auch aus“, sagt uns Toby. In diesem Jahr hat er sein Abitur gemacht. Das nächste halbe Jahr will er sich jetzt erst einmal nur aufs Schwimmen konzentrieren. Zum Sommersemester 2023 will er dann anfangen zu studieren. „Ich möchte am liebsten an der Deutschen Sporthochschule in Köln studieren. Dafür muss ich im nächsten Februar erst einmal einen Eignungstest machen. Daher kann ich momentan noch nicht sagen, ob das klappt,“ erklärt uns Tobias.

Seine sportlichen Anfänge spielten sich in Büttgen ab. Da hat seine Mutter Schwimmkurse gegeben, wo er auch Schwimmen gelernt hat. Später hat er dann angefangen zu reiten. „Durch den Reitlehrer haben dann mein Bruder Daniel und ich den Modernen Fünfkampf entdeckt, der aus den Disziplinen Fechten, Schwimmen, Reiten, Laufen und Schießen besteht. Vom Modernen Fünfkampf bin ich dann aber voll zum Schwimmen gegangen, weil ich gemerkt habe, dass Schwimmen allein für mich das Beste ist“, sagt Toby. Schwimmen als Leistungssport betreibt er seit ca. neun, vielleicht auch zehn Jahren, so genau weiß er das nicht mehr. Sein erster Verein war der VFR Büttgen. 2011 oder 2012 ist er zum Neusser SV gewechselt, der der SG Neuss angehört. Dort hat er unter verschiedenen Übungsleitern trainiert, aktuell ist Francisco Frederico sein Trainer. Eine Sportart, die es ihm noch besonders angetan hat, ist American-Football. „Davon bin ich ein großer Fan. Mir würde es Spaß machen, das zu machen, ich bezweifele aber ob ich das jemals tun kann. Wenn ich sagen sollte, welche Sportarten ich nicht machen würde, kommt mir Tanzen und Turnen in den Sinn. Ich bin nicht gut, was Koordination angeht und deswegen ist das auch nichts für mich“, erklärt uns Toby.

Von seinen Eltern hat der Vater Fußball gespielt. Die Mutter hat Breitensport gemacht. Außerdem hat sie Tennis gespielt und Schießsport betrieben. Tobys Bruder Daniel (20) schwimmt ebenfalls bei der SG Neuss. Vor einiger Zeit hat er jedoch angefangen für Triathlon zu trainieren. Persönliche Helden oder besondere Vorbilder hat Tobias van Aggelen nicht. Er schaut zwar zu bestimmten Top-Schwimmern, wie Michael Phelps auf, würde diese aber nicht als persönliche Helden bezeichnen.

Bis vor einiger Zeit waren Tobys Lieblingsdisziplinen die längeren Kraulstrecken. Mittlerweile konzentriert er sich mehr auf die 100m Kraul und er versucht jetzt auch mehr für die 200m Kraul zu trainieren. „Meine Lieblingsdisziplin sind die 100m Kraul, das ist auch meine beste. Und dann sind da noch die 200m und 400m Lagen, die ganz gut sind, wobei ich die 400m nicht ganz so sehr mag. Was ich nicht mag ist Rücken. Dafür sind meine Schultern nicht beweglich genug“, erklärt uns Tobias.

Als sein schönstes Erlebnis im Schwimmsport bezeichnet er, dass er sich für die JEM 2022 qualifiziert hat und auch der Lehrgang dafür in Heidelberg war für ihn ein schönes Erlebnis. Auf die Frage, in welchen Bädern er nicht so gerne schwimmt, nennt er die Traglufthalle des SV Bayer Uerdingen am Krefelder Waldsee. Was er hingegen besonders schätzt, ist die Schwimm- und Sprunghalle im Berliner Europasportpark.

Schauen wir einmal auf die bisherigen sportlichen Erfolge von Tobias van Aggelen: Bei SV NRW-Jahrgangsmeisterschaften gewann er von 2017 bis 2022 vierzehn Titel. Am erfolgreichsten war er dabei im Jahr 2021, als er sich allein sieben Jahrgangstitel sicherte. In der offenen Klasse gewann er 2022 über 800m Freistil und 400m Lagen die Silbermedaille. Über 1500m Freistil holte er Bronze. Bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann er bisher fünf Medaillen. 2018 gewann er Silber über 1500m Freistil. Bei den DJM 2021 wurde er über 400m Lagen und 100m Freistil jeweils Zweiter, über 100m Schmetterling und 50m Freistil gewann er die Bronzemedaille. Als sein bestes Ergebnis auf DSV-Ebene bezeichnet er den zweiten Platz bei der U20-Wertung bei den offenen Deutschen Meisterschaften 2022 in Berlin. Hervorragend schnitt Tobias auch bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2021 in Wuppertal ab. Hier stand er in den A-Finals der offenen Klasse über 200m Lagen, wo er die Silbermedaille gewann und über 200m Schmetterling, wo er als Vierter anschlug. Ein großer Erfolg für ihn war auch der zweite Platz mit der A-Jugend der SG Neuss beim Bundesfinale der DMSJ 2021. In der Wertung Jugendschwimmer des Jahres 2021 im SV NRW belegte Tobias van Aggelen den dritten Platz.

Seine künftigen Ziele sind kurzfristig bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2022 in Wuppertal gut abzuschneiden. Fernziele sind sich vielleicht einmal für eine Europameisterschaft zu qualifizieren und der größte Traum sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Hier setzt er in erster Linie auf Staffelstarts. Toby schwimmt lieber Lang- als Kurzbahn. Er begründet das damit, dass er auf der Langbahn schneller in den Schwimmrhythmus findet als auf der Kurzbahn.

Tobias ist ein großer American-Footballfan. Sein Lieblingsverein sind die Kansas City Chiefs. Zum Interview für dieses Sportlerportrait kam er auch im Dress dieses Clubs. Die Spiele der NFL verfolgt er leidenschaftlich gern in den Medien. Fan ist er auch von der Formel 1. Noch vor kurzem war er mit seinem Bruder beim Großen Preis der Niederlande in Zandvoort. Ansonsten spielt er gerne am Computer. Tobys Vater ist Niederländer. Von daher besitzt Tobias neben der deutschen auch die niederländische Staatsbürgerschaft. Die Möglichkeit für die Niederlande zu schwimmen, ist für ihn momentan aber kein Thema. „Mein Ziel ist es weiterhin für Deutschland zu schwimmen. Hier bin ich geboren und hier lebe ich. Nur wenn ich es in Deutschland nicht schaffe weiter nach vorne zu kommen, wäre es eine Überlegung wert für die Niederlande zu schwimmen. Dafür müsste ich aber auch einem niederländischen Verein angehören“, so Tobias van Aggelen. Die Sprache unseres Nachbarlandes kann er verstehen, nur mit dem reden hat er es nicht so.

Ein Land, wo er gerne mal hinreisen würde, wäre Bali. Zu Hause spielt er gerne mit Freunden. Mit denen unternimmt er auch am Abend manchmal etwas. Im Fernsehen sieht er sich ab und zu auf Netflix etwas an. Seine musikalische Vorliebe ist agressiverer Hip-Hop, also Rap, was er hingegen nicht mag sind Schlager. Wenn er zu Hause ist, hält er sich am liebsten in seinem Bett auf. Da kann er sich am besten entspannen. Seine Lieblingsspeise ist die von seinen Eltern zubereitete Lasagne. Als Eigenschaften, die ihm fehlen, sagt er, dass er ordentlicher werden muss. Außerdem meint er, dass er sich besser organisieren müsste. Eine Persönlichkeit, die er gerne einmal kennen lernen würde, wäre der Rapper Jay Cool. Treffen würde er gerne auch die amerikanischen Schwimmer Michael Phelps, der in seiner Karriere 28 olympische Medaillen gewann, davon 23 Mal Gold und den fünffachen Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 2021 von Tokyo, Caeleb Dressel. „Ich würde von denen gerne mal wissen, wie die es schaffen oder geschafft haben, sich im Training immer wieder neu zu motivieren und immer 100 Prozent zu geben, obwohl sie vielleicht dazu auch mal keine Lust hatten“, sagt Toby. Nicht verzichten kann Tobias van Aggelen auf Schwimmen und seinen Computer. Gut verzichten kann er hingegen auf Softgetränke, wie Cola oder ähnliches. Seine Wünsche ans Leben sind gesund zu bleiben und, dass er immer erfolgreich ist, sowohl im Sport als auch im Beruf

Wichtig ist Tobias van Aggelen noch zu sagen, dass er es ohne seinen Trainer Francisco Frederico nie so weit nach vorne geschafft hätte. „Man muss ihn unbedingt erwähnen, wenn man über mich redet. Er macht einen sehr guten Job. Deswegen würde ich ihn auch immer loben. Er ist auch der Grund warum ich in Neuss geblieben bin und auch bleiben werde“, lauten die letzten Sätze von Toby in unserem Interview für dieses Sportlerportrait.

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