Jarno Bäschnitt (SG Ruhr)

Gewinn der Bronzemedaille bei der JEM 2023 als Karrieresprung

Bericht & Fotos: Peter Kuhne

Jarno Bäschnitt (SG Ruhr) - Medaillengewinner bei den Deutschen Kurzbahmeistershaften 2022

Auf die Jahre 2022 und 2023 kann Jarno Bäschnitt von der SG Ruhr, mit dem wir uns in diesem Sportlerpotrait beschäftigen, mit Fug und Recht zufrieden zurückblicken. Die absoluten Höhepunkte waren hierbei die zweimalige Teilnahme an den Junioren-Europameisterschaften 2022 in Otopeni/Rumänien und 2023 in Belgrad/Serbien. In Rumänien stand Jarno 2022 über 400m Freistil im Finale, wo er den achten Platz belegte. Über 200m Freistil schaffte er es bis ins Halbfinale, wo er in der Endabrechnung Rang elf belegte. Ein Jahr später bei der JEM in Serbien toppte er diese Leistungen mit dem Gewinn der Bronzemedaille über 200m Freistil in 01:49,10 Minuten. Auch bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in diesen beiden Jahren in Berlin wusste Jarno Bäschnitt voll zu überzeugen. 2022 gewann er gleich vier Titel und zwar über 200m, 400m und 800m Freistil sowie über 200m Schmetterling. 2023 wurde er Deutscher Jahrgangsmeister über 200m Schmetterling und 400m Freistil. Zudem gewann er über 200m und 800m Freistil die Silbermedaille. Im Schwimmverband NRW wurde Jarno für das Jahr 2022 zum Jugendschwimmer des Jahres gekürt. Alles in allem eine stolze Bilanz in seinem noch jungen Sportlerleben.

 

Geboren wurde Jarno Bäschnitt am 16. Dezember 2005 in Witten. Das war an einem Freitag. Seit Geburt lebt er allerdings in Bochum. Bemerkenswerte Ereignisse in seinem Geburtsjahr 2005 waren am 22. November die Wahl von Angela Merkel zur deutschen Bundeskanzlerin. Damit stand erstmals eine Frau an der Spitze der Bundesregierung. Der später des Dopings überführte US-Amerikaner Lance Armstrong trat nach seinem siebten Sieg bei der Tour de France als aktiver Radsportler zurück. Am 2. April stirbt Papst Johannes Paul II. Zu seinem Nachfolger wird am 19. April der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger gewählt. Er war der erste deutsche Papst nach dem Jahr 1523 und nahm den Namen Benedikt XVI an. Deutsche Schwimmerin des Jahres wurde Antje Buschschulte (SC Magdeburg). Schwimmer des Jahres war Thomas Rupprath (SG BayerWuppertal/Uerdingen/Dormagen).

 

Im Schwimmsport aktiv ist Jarno seit Ende des Jahres 2013. „Wann ich genau Schwimmen gelernt habe, weiß ich gar nicht mehr so richtig.  Es war nur ausschlaggebend, dass mein Opa meinte, dass ich mindestens Seepferdchen machen müsste. Dann hatten wir damals in Bochum-Langendreer mehrere Technikkurse. Das war Brusttechnik, dann ging es weiter mit Kraultechnik, Rücken, bis man zum Schluss  immer eine Lage mehr gelernt hatte  und das ging dann so weiter, bis man begann Wettkämpfe zu schwimmen. Das war so um  Ende 2013, Anfang 2014“, erinnert sich Jarno. Wenn er nicht Schwimmer geworden wäre, kann er sich vorstellen Bahnradfahren zu betreiben, weil er schon immer gerne Fahrrad gefahren ist. Ausprobiert hat er Bahnradfahren aber noch nicht. „Das einzige was mich an Sport in der Schule begeistert hat, war Kugelstoßen“ sagt Jarno. Was ansonsten Leichtathletik angeht, hat er nach eigenem Bekunden eine Laufphobie. „Bei meiner Abiturprüfung in Sport konnte ich nach den fünf Kilometern meine Knie für eine Woche nicht mehr benutzen“, erzählt uns Jarno.

Jarno Bäschnitt (SG Ruhr)

Was er im Schwimmsport nicht mag ist Brustschwimmen. Was Ballsportarten angeht, gibt er zu, dass er technisch überhaupt nicht begabt ist. Wenn mal in der Gruppe Fußball oder Basketball gespielt wird, ist er aber immer dabei. Ernsthaft würde er Ballsportarten aber nicht betreiben. Nach seinen Anfängen im Schwimmen in Langendreer ist Jarno zum SV Delphin 58 Wattenscheid gegangen, wo er für drei Jahre bei Bianca Loges trainiert hat. Im Herbst 2018 schloss er sich dann der SG Ruhr an. Was ihm da besonders gut gefällt ist, dass seit dieser Saison die Zusammenarbeit mit Blau-Weiß Bochum sehr gut funktioniert. „Hierdurch hat sich die Mannschaft gut vergrößert. Es sind eine Menge guter Leute dazu gekommen. Mit denen zu trainieren, macht viel Spaß. Was außerdem organisiert wurde in Sachen Ernährungsberatung, Krafttraining und was besonders super cool heraussticht Physio, ist optimal. Seit dem ich das Abitur habe ist auch die Anbindung zur Uni mega gut“, sagt Jarno. Die Zusammenarbeit der SG Ruhr mit Blau-Weiß Bochum bezieht sich auf die Top-Mannschaft, außerdem auf die zweite und dritte Mannschaft und beinhaltet unter anderem gemeinsame Trainingseinheiten. Seine Trainer*in bei der SG Ruhr waren und sind Ralf Mergenthal, Christoph Kreuzenbeck, Kati Hämmerich und Mark Jayasundara.

Sportlich vorbelastet durch die Familie ist Jarno durch seinen Vater, der Badminton gespielt hat. Seine jüngere Schwester Wiebke, die dem Jahrgang 2009 angehört, schwimmt ebenfalls bei der SG Ruhr. Jarnos persönlicher Held ist nach seinem Bekunden sein Opa. „Ihn habe ich immer für seine Weisheit und wie ich es empfunden habe, seine Allwissenheit bewundert“, so Jarno. Ein sportliches Vorbild hat er hingegen nicht. Seine Lieblingsdisziplinen im Schwimmsport sind Kraul und Schmetterling, wobei er Schmetterling nicht so viel trainiert. Aber wenn, dann ist er auch hier super engagiert. Sein Hauptfokus liegt jedoch definitiv auf Kraul. Er bevorzugt die Strecken ab 200m aufwärts. Bei Kraul auch 400m, 800m und wenn er muss auch 1500m. Bei Schmetterling sind sein Favorit die 200m, wobei aber die 100m inzwischen auch gut klappen. Keine Freude hat er am Brustschwimmen. Er begründet das damit, dass er das technisch nicht hinkriegt. Sobald er mehr als 200m Brust schwimmt, bekommt er Probleme mit den Knien.

Jarno bevorzugt bei den Bahnlängen die Langbahn. „Das hat sich damals verankert, als ich noch sehr, sehr schlechte Wenden gemacht habe. Auf der Kurzbahn konnte ich deswegen nie einen Vorteil ziehen. Mittlerweile sind meine Wenden zwar besser geworden, ich schwimme aber immer noch lieber Langbahn weil ich da drauf trainiere und auch im Wettkampf besser mit klarkomme“, gibt uns Jarno zu verstehen. Als seine schönsten Erlebnisse im Schwimmsport nennt er den Gewinn der Bronzemedaille über 200m Freistil bei der JEM 2023 in Belgrad. „Das war fast unfassbar, weil ich vorher noch krank war. Dann habe ich im Finale noch vor der letzten Bahn nur als Sechster oder Siebter gewendet. Trotzdem habe ich am Schluss noch als Dritter angeschlagen, das war schon ein absolutes Highlight“, erinnert sich Jarno an seinen bisher größten sportlichen Erfolg. Gute Erinnerungen hat er auch die die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2021, wo er zwei Titel gewann.

Jarno Bäschnitt (SG Ruhr) und Landestrainer Jan Klocke bei Ehrung zum Jugendschwimmer des Jahres 2022 im Schwimmverband NRW

Die Bäder in denen er am liebsten schwimmt bzw. geschwommen ist sind das SSE in Berlin und das Bad bei der JEM 2022 in Otopeni/Rumänien, wo bis vor wenigen Tagen noch die diesjährigen Kurzbahneuropameisterschaften ausgetragen wurden. „Das Unibad in Bochum würde ich auch sehr gerne mögen, wenn es ein bißchen wärmer wäre“, schmunzelt Jarno. Bäder in denen er gar nicht gerne schwimmt kann er nicht näher benennen. Er mag es aber überhaupt nicht, wenn die Startblöcke gefliest sind. Seine weiteren sportlichen Ziele sind zunächst einmal Fuß in der offenen Klasse zu schaffen. Darüber hinaus auch mal entweder mit der Staffel und/oder im Einzel mit zu einer WM oder auch Olympia fahren.

 

Seit einigen Wochen studiert Jarno Bäschnitt im ersten Semester Psychologie an der Ruhr Universität Bochum mit den Zielen Bachelor und Master. „Ich bin im Moment noch am Hin und Her überlegen, ob es in Richtung Wirtschaftspsychologie oder Psychotherapie gehen soll. Ein bestimmtes berufliches Ziel habe ich noch nicht“, sagt Jarno. Nach seinen außersportlichen Hobbys gefragt, sagt Jarno: Seitdem mich ein Freund Anfang des Jahres mit zu einem Eishockeyspiel der Iserlohn Roosters genommen hat, verfolge ich das ein bisschen. Auch die Spiele in der amerikanischen National Hockey League (NHL) haben mein Interesse geweckt“, erzählt uns Jarno. Bestimmte Hobbys, die er selbst aktiv betreibt hat er nicht, weil ihm auch die Zeit dafür fehlt.

 

Was Reisen angeht, würde er gerne  einmal einen Roadtrip in den USA machen, am liebsten die Westcoast entlang. Gerne würde er auch einmal auf den asiatischen Kontinent reisen, ein bestimmtes Ziel hat er da aber noch nicht. Wenn er zu Hause ist legt er sich am liebsten auf’s Bett und schaut You Tube. Irgendwas Kleines spielen kommt auch in Frage. Die meiste Zeit aber sitzt er vor dem Rechner, schaut sich irgendwelche alte Videos an, die gerade in seinem Studienfach Psychologie hoch geladen wurden, oder schaut sich Vorlesungen an. Er hat sich darüber auch ein paar Bücher geholt und das alles nimmt in letzter Zeit seine meiste Zeit, die er zu Hause verbringt, ein.

 

Was Musik angeht, steht auf elektronische Klänge, wobei die gerne auch etwas ruhiger sein können. Beim Wettkampf hört er auch manchmal Musik, wenn er längere Pausen hat, bei der direkten Startvorbereitung macht er das aber nicht. Nicht leiden kann er jegliche im Radio tot gespielte Hits. Besonders die Stücke, die man schon viel zu oft gehört hat aber immer noch nicht weiß um was es geht. Als Jarno angesprochen wurde, was er am liebsten isst, bekommt er strahlende Augen. „Ich kann nicht widerstehen, wenn ich zur Uni  fahre und bei der Bäckerei Schmidtmeier Leberkäsbrötchen liegen. Da muss ich immer zuschlagen“, macht Jarno auch mir den Mund wässrig. Eine Eigenschaft, die ihm fehlt ist manchmal mehr Geduld zu haben, sagt er. Glücklich machen kann man ihn, wenn man ihm zum Beispiel vom Einkaufen kleine Snacks mitbringt, wie etwa einen kleinen Joghurt, darüber freut er sich immer riesig. Ärgern tut er sich, wenn manche Leute beim Training nicht  konstante Pace schwimmen.

Jarno Bäschnitt (SG Ruhr)

Wenn er schon jemand gerne kennenlernen möchte, sollte das auf jeden Fall eine mental starke Person sein. Konkret fällt ihm dazu der US-amerikanische Basketballspieler Kobe Bryant ein, den er sehr bewundert hat. Kennenlernen kann er den Profi der Los Angeles Lakers, der in seiner Karriere von 1999 bis 2013 ununterbrochen in das All-NBA Team, der Auswahl der besten Spieler der Saison gewählt wurde, aber leider nicht mehr, denn Bryant ist 2020 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Nicht verzichten kann Jarno Bäschnitt derzeit auf Handy und Internet, ansonsten vermisst er aber eigentlich nichts. Verbannt auf eine einsame Insel würde er auf jeden Fall seine Badehose und Schwimmbrille mitnehmen. Wenn er wiedergeboren würde, wäre das als Orca, das ist ein Schwertwal aus der Familie der Delfine. „Das ist mein Lieblingstier und ein starker Schwimmer“, so Jarno.  Wenn man ihm einen Flug mit einem Aufenthalt von einem Tag in eine europäische Metropole schenken würde, käme als Jarnos Ziel London in Betracht. Dort würde er neben den dortigen Standarttouristenattraktionen auf jeden Fall die alten Olympiastätten der Spiele von 2012 besuchen. Alternativ fällt ihm dazu noch Barcelona ein und da würde er einfach nur die Kulisse genießen. Wie er sein Leben gestalten will, ist ihm momentan noch relativ egal, Hauptsache er findet immer sein Glück.

Ein bestimmtes Lebensmotto hat Jarno übrigens nicht, was er sich nur öfters sagt ist „Augen zu und durch“. Dieses Motto kann ihm sicherlich bei der künftigen Gestaltung seines Lebens helfen.